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Erntedankfest 2014

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Chronik

Aus der Geschichte der Kirche

Wann die erste Kirche in Leppersdorf gebaut wurde, ist unbekannt. Auf einer alten Tür fand man die Jahreszahl 143X. Die letzte Zahl war nicht mehr zu erkennen. Eine kleine Saalkirche, die dem heutigen Kirchenschiff entspricht, muss also spätestens 1439 vollendet gewesen sein. Eine Sakralstätte hat es sicher schon vorher gegeben. Sie diente wahrscheinlich nur als Begräbniskapelle.

An das Kirchenschiff schließt sich östlich der etwas jüngere Altarraum und die um 1680 errichtete Sakristei an. Zur gleichen Zeit wurden die Rundbogenfenster eingebaut. Die Vorhalle an der Westseite entstand erst 1896.

Die Kirche hat keinen Turm, sondern einen achtseitigen Dachreiter mit spitzem Zeltdach. Die Uhr, ein sehr altes Werk, wurde 1876 erneuert, erhielt 1988 neue Zeiger und wurde 1997 grundlegend überholt.

Im 18. Jahrhundert wurde der Innenraum erneuert. Die flache Felderdecke, die im Chor höher liegt, erhielt eine blau-weiß-gelbe Bemalung in Form vonBändern, Gehängen, Laubwerk und Blüten. Die Emporen an der Ost-, Nord- und Westseite und die sie tragenden Säulen sind gelb, rot, weiß und blau marmoriert. Das einfache Gestühl war früher blau bemalt, jetzt grau und ist an den Wangen blau verziert.

Der Altar entstand im späten 17. Jahrhundert. Der ursprünglich in weiß, rot und braun gehaltene Altaransatz ist später teilweise blau und grün übermalt worden. Links und rechts begrenzen ihn hölzerne Säulen auf Postamenten. Das oben abschließende Gebälk trug in der Mitte einen jetzt entfernten bemalten Aufsatz und an den Seiten Obelisken. Die Säulen umrahmen in einer Rundbogenfüllung eine Kreuzigungsgruppe mit einer Stadt im Hintergrund. In der Predella (Altarunterbau) zwischen den Postamenten ist die Einsetzung des Heiligen Abendmahles dargestellt. Das seitlich an den Säulen befindliche Schnitzwerk zeigt Pelikane, die sich mit ihren Schnäbeln die Brust aufreißen. Im Fries des Altars steht: "Christus ist um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen erweckt. Röm.4.Cap." Auf dem Postament steht, jetzt nicht mehr lesbar: "So oft ihr von diesem Brod esset Und von diesem Kelch trinket sollt ihr des Herrn Tod verkündigen bis er kommt".

 Ein besonderer Schmuck der Kirche ist auch die in späten Renaissanceformen gehaltene, geschnitzte und bemalte Kanzel. In den Feldern des fünfeckigen Korbes sind zwischen freistehenden Säulen, die auf mit Masken verzierten Postamenten ruhen, die Bilder der vier Evangelisten zu sehen und das jetzt nicht mehr erkennbare Bibelwort: "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Offenb. Joh. 21,6". Ein geflügelter Engelskopf als Schlussstein ist nicht mehr erhalten. Auf dem sechseckigen Schalldeckel mit den durchbrochenen Aufsätzen stand früher in der Mitte eine Christusfigur, in der linken Hand die Weltkugel mit dem Kreuz, die rechte segnend erhoben. Auf dem Fries stehen die Worte: " Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, denn sie wachen über eure Seelen als die da Rechenschaft dafür geben sollen. Hebr. 13 V.17". Auf der Unterseite des Schalldeckels ist zu lesen: "Rufe getrost schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volke ihr Übertreten und dem Hause Jacobs ihre sünden. Jes. 58,1".

Ältestes Kunstwerk der Kirche ist ein an der Südseite in der Nähe der Kanzel angebrachtes romanisches Kruzifix. Bis etwa 1830 soll sich in der Kirche auch ein Gemälde befunden haben, das die Auferstehung der Toten auf einem Friedhof darstellte. Zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges gestaltete der Wachauer Künstler Werner Juza 1956 ein Triptychon, das im Mittelteil Jesus zeigt, wie er sich eines vor ihm knienden, halb nackten und verwundeten Mannes annimmt. Die Seitenflügel tragen Worte der Bibel aus dem Alten und Neuen Testament. Es befindet sich in der Vorhalle.

Vom ehemaligen, in Ton gebrannten Taufstein sind nur der Deckel und die Zinnschale erhalten. Er wurde 1794 vom Erbrichter Johann Friedrich Philipp und dem Brandmeister Johann Gottfried König gestiftet. Den jetzt verwendeten Taufstein widmete 1905 das Ehepaar Voigt zur Silberhochzeit seiner Heimatkirche. Auf dem weißen, durchbrochenen und mit Gold verzierten Holzkörper im Jugendstil, der die Schale umfasst, stehen die Worte der Kindersegnung und des Taufbefehls nach dem Markusevangelium.

Eine Orgel mit zwei Manualen, Pedal, 14 Registern und 800 Pfeifen baute 1904 die Firma Eule aus Bautzen. Über frühere Instrumente ist nur soviel bekannt, dass der 1735 verstorbene Organist und Orgelbauer Johann Gottfried Ziegler aus Leimen eine Orgel für Leppersdorf gebaut hat. Seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren vor allem durch die Kantorin Wella Anders Spenden für die Erneuerung der Orgel gesammelt worden. 1990 konnte eine neue Orgel mit einem Mandal, Pedal und 10 Registern, wieder ein Werk von Eule, geweiht werden.

Von den historischen Altargeräten sind erhalten: Zwei wertvolle Abendmahlskelche, gestiftet 1726 und 1783, eine Hostiendose von 1763, zwei Altarleuchter aus einer Dresdner Werkstatt, 1784 und zwei Vasen aus Zinn, 1777 gestiftet.

Vom Diebstahl kirchlichen Inventars wird aus dem Jahr 1732 berichtet. In der Nacht des 5. August war der Schneider Jentsch durch ein oben in der Halle befindliches Loch in die Kirche eingestiegen, hatte die Behänge des Taufsteins und des Altars, aus schönen blauwollenen, mit Fransen besetzten Tüchern bestehend, ein schwarzes Altartuch und einige andere Gegenstände entwendet. Der Täter wurde zu einer dreijährigen Haft verurteilt. Zum wertvollsten Besitz gehören drei Bronzeglocken. Die mittlere und älteste wurde um 1500 gegossen und trägt die Inschrift: "maria bis gnedig uns bit vor uns". Die kleinste mit der Inschrift "Jhesus maria" stammt aus dem Jahr 1538. Die große Glocke entstand 1670 in der Werkstatt von Andreas Herold in Dresden. Sie trägt 21 Wappen der Länder und Landschaften, in denen das sächsische Fürstenhaus Besitz- und Hoheitsrechte hatten. Am Trinitatisfest 1940 fand eine Glockenopfergottesdienst statt. Die Glocken sollten für Kriegszwecke eingeschmolzen werden, blieben aber glücklicherweise erhalten

1972 wurde die Südseite des Kirchendaches mit neuem Schiefer gedeckt. In den Jahren 1983 bis 1985 konnte mit Unterstützung vieler Kirchgemeindeglieder die Kirche im Innenraum erneuert werden. Beim Entfernen des alten Putzes kam an der Nordseite eine zugemauerte Pforte zum Vorschein. An der Südseite wurde ein Sakramentshäuschen und eine mittelalterliche Wandmalerei wieder entdeckt. Alle drei Zeugen aus der Geschichte wurden wieder sichtbar gemacht. Die finanzielle Unterstützung mit 20.000 Mark durch die Abteilung Kultur des Landkreises Dresden ermöglichte die Restaurierung der Deckenmalerei, der Empore und des Wandbildes unter der Leitung des Restaurators Matthias Hennig aus Großröhrsdorf.

An der nördlichen Friedhofsmauer hat ein mittelalterliches Steinkreuz aus Granit seinen Platz gefunden. Nach germanischem Recht mussten solche Kreuze als Sühnezeichen für einen Mord oder Totschlag errichtet werden. Wo es früher gestanden hat, ist nicht mehr bekannt.

Die Kirche war seit der Reformation Filialkirche von Kleinröhrsdorf. 1998 wurde das Tochterverhältnis aufgelöst. Kleinröhrsdorf vereinigte sich mit Großröhrsdorf und Leppersdorf ging mit Pulsnitz ein Schwester-Kirchverhältnis ein.

Dr. Manfred Mühlner

Quelle: Leppersdorf "Eine Chronik von den Anfängen bis zur Gegenwart"

Fotos: Ines Sickert